Melanie Hohenester

Von Biberdämmen, Sümpfen, und Bergen… von Wind, Regen Sonne und Schnee, … von der einsamen Wildnis Patagoniens

... oder einfach vom härtesten Rennen der Welt.

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Das Rennen vor dem Rennen

Wenn ich gewusst hätte, dass das Rennen schon am Münchner Flughafen beginnt, dann.....

Nein- eigentlich begann das Rennen schon 3 Wochen vor dem Start, als ich das OK. von meinem Chef bekam - Vielen Dank!!!. Die kurze Vorbereitungszeit hatte schon Wettkampfcharakter. Wir mussten einen 3. Mann für das Rennen auftreiben, das Material besorgen und die Flüge buchen. Mit der Schwierigkeit, dass Teamchef Marc in Neuseeland weilte. Vielen Dank Marc für die viele Arbeit im Vorfeld.

Zurück zum Flughafen: Dort angekommen, lag meine überlebenswichtige Plastikkarte im falschen Auto. Gut dass der Flug Verspätung hatte, so konnte das Problem schon mal gelöst werden. Einstweilen erreichte mich die Nachricht, dass meine Teammitglieder in Gran Canaria notlanden mussten und dort erst einmal fest saßen. " Gott sei Dank- kann mir das schon nicht passieren."

Wenn ich gewusst hätte wie wichtig die Plastikkarte noch für mich wird ;) Ich freute mich auf einen ruhigen Flug, bei dem ich endlich mal mein Schlafdefzit der letzten 2 Wochen begleichen konnte. Mit einer Std. Verspätung landete der Flieger in Madrid. Das ist eigentlich kein Problem, denn ich hatte noch 50 min Zeit zum Umsteigen. Aber Madrid's Flughafen ist groß, die Ahnung der Informationsdamen gering und die Anzeigetafeln leider fehlerhaft. Ich begab mich zum mir gesagten Gate um weiter nach Sant Diago zu fliegen. Das Boarding war bereits in vollem Gange. Als ich endlich an der Reihe war, verwies man mich an ein anderes Gate mit der auskunft "Hurry up, the plane takes off in 10 minutes". Sprint!!! Am andere Gate hieß es "plane is closed!" Ich versuchte die Damen noch zu überreden, zumal der Flieger ja noch da stand - aber leider keine Chance. So flog der Flieger ohne mich. Es war 00:30 am Flughafen Madrid. Das Ende vom Lied war, dass ich erst 36h später Madrid verlassen konnte.

Am 8.Feb. kam ich nach 60 Std. Reise genau 24h vor Rennstart endlich in Puntas Arenas (Südchile) an. Gott sei Dank wartete auch mein gepäck in Puntas Arenas. Leider war es aufgerissen und die Wärmekleidung fehlte. Sie würde mir noch sehr fehlen . Der Tag vor dem Rennen gehörte dann der Rennvorbereitung. Zeit nochmal durch zu atmen - Fehlanzeige.Ich traf das erste mal auf alle meine 3 Teammitglieder. Bis auf Marc kannte ich die anderen beiden jungen Herren ja nicht. Pierre Eyen und Thoralf Berg komplettierten das Quartett.

Das Rennen vor dem Rennen hatten wir schon mal gewonnen, wenn auch sehr knapp ;)

Auch die Nacht vor dem Rennen war kurz. Dass während dem Rennen so gut wie nicht mehr geschlafen wird - ist eh klar.

Das Rennen - einfach hardcore

Der Wind bließ uns am Start mit über 150 km/h um die Ohren. So wurde die erste Kayaketappe aufgrund der gefährlichen Witterungsbedingungen kurzer Hand gestrichen. Los ging es mit dem ersten Trekkingabschnitt von 18 km, entlang der Küste. Wir konnten uns schnell an die Spitze des Feldes setzen, die wir erst bei der Suche nach dem ersten Checkpunkt knapp wieder verloren. Checkpunktsuche wurde zum neuen z.T: sehr zeitraubenden Hobby.

Weiter ging es mit dem MTB bei gleichen Windverhältnissen wie zuvor. Die Pampas ist relativ flach und baumlos. Kam der Wind frontal von vorne stand man auf der Schotterpiste, kam er von der Seite, so war es eine Kunst für sich nicht mit samt dem MTB in den Graben geweht zu werden, was allerdings oft genug passierte. Kam der Wind von Hinten, dann musste man selbst die Berge nicht mehr hochtreten. Insgesamt waren die MTB-Etappen im Vergleich zum restlichen Rennen relativ einfach zu bewältigen.

Die ersten 36h starteten wir ohne Pause durch. Den ersten Schlaf gönnten wir uns für 4h, als wir eine Hazienda in der Pamaps fanden, in der wir vor Regen geschützt waren und sogar Matratzen hatten. Echtes Luxusleben ;)... sch... prompt verschlafen. Das ging ja schon gut los. Ich hab ja gleich gesagt dass der Wecker zu leide ist. Weiter gings noch vor dem Morgengrauen um 4:00.

Nach dem MTB etappen, die durch kurze Treks unterbrochen waren kamen wir zum Rennentscheidenden Trekkingabschnitt. 140 km durch die einsame z.T. "gnadenlose" patagonische Wildnis.

Die Strecke verlangte mir und dem gesamten Team alles ab- sowohl physisch als auch psychisch. Die Orientierung im Gelände ist extrem schwierig, da es auf der Route keine Wege, Pfade oder ähnliche Spuren menschlicher Zivilisation gibt. Zum anderen enthielt das Kartenmaterial kaum griffige Informationen.  Es waren weder Flüsse noch Seen auf den Karten zu erkennen. Die Höhenelinien waren auf 5 reduziert, so dass auch des Geländeprofil nicht zu entnehmen war. Auch fehlten Angaben ob es sich um Wald, Sumpf o.ä. handelt. Allein Karte und Kompass waren die Wegweiser, auf die man sich verlassen musste. Vielen Dank an Marc und Pierre, die das super gelöst haben.

So gnadenlos, wie die Strecke ist auch das rauhe patagonische Klima. wir durften auch die Sonnenstrahlen genießen. Das waren dann allerding die einzigen wenigen Minuten, in denen ich keine Gänsehaut und Zähneklappern hatte. Ansonsten bestimmte Wind, Nässe und Kälte das Wettergeschehen.

Wir veranschlagen für 140 km Trekking 2-3 Tage-entsprechend viel "Futter" nahmen wir mit auf die Etappe. Schnell stellten wir fest, dass das Essen genauso wenig reichen würde wie unser Zeitansatz. Am ersten Tag mussten wir mit Ernüchterung feststellen, dass wir nur 20 km geschafft haben!!! 20 von 140!!! Hilfe! Wer an dem Punkt nicht abschalten konnte, der hatte bereits das erste Kopfproblem. Das gelang nicht dem gesamten Team.

Bremse Urwald:Wir schlugen uns durch die undurchdringlichen Urwälder Patagoniens, in denen noch nie ein Mensch versucht hat Holz heraus zu räumen. 1000..Baumstämme wurden über- und unterquert. Die Geschwindigkeit reduzierte sich in den Wäldern oft auf 1-2km/h. Insbesondere Nachts mussten wir oft die Suche nach der Richtige Route im Unterholz einstellen.

100 km durch den Sumpf: Die Sümpfe Patagoniens sind faszinierend und nerv- und muskeltötend zugleich. Zum Einen ist fast alles Sumpf! Die Sümpfe ziehen sich weit die Berghänge hinauf, sind Minimum Knie tief, bescheren dauerhaft nasse und kalte Füße bzw. Beine und ziehen einem den Saft sagenhaft schnell aus den Beinen. nach 2 Tagen waren wir "Powerbar los". Ich vergab meine Reserven an zwei Teamkollegen,  denn die waren nicht mehr so gut bei Laune und dachten schon bald ans Aufgeben. Der Gedanke kam mir jedoch überhaupt nicht in den Sinn - "lieber leer gehen als aufgeben."

Berge waren immer wieder ein highlight, doch mussten wir das leider immer wieder mit Sümpfen bezahlen.:(

Der Biber - mein neues Feindbild: Ich weiß nicht wie viele 100 Biberdämme wir überqueren mussten. Die Biber haben das patagoinische Landschaftsbild fest im Griff. Wo Biber wohnen, liegen 1000ende Baumstämme die überwunden werden müssen kreutz und quer herum und tiefe undurchquerbare Biberbecken versperren den Weg. Der Biber verstand es gut unser Fortkommen z.T. gegen Null zu verlangsamen.

Wir trotzten allen Hindernissen, die sich uns in den Weg stellten.  Es war zugegeben nicht immer leicht die Nerven zu bewahren. Insbesondere, wenn man sich dem nächsten Checkpunkt bis auf wenige 100 m genähert hatte, dieser jedoch erst nach Stunden langen suchen zu finden war. Zudem hatte nicht das ganze Team den absoluten Finisherwillen. Marc und ich mussten z.T. SchwerstMotivationsrabeit leisten um das ganze Team ins Ziel zu bringen. Danke Thoralf und Pierre, dass ihr uns dennoch nicht auf den Mond geschossen und durchgehalten habt. Hut ab!

Wellenreiten mit dem Kayak: Nach dem langen Trekkingabschnitt ging es mit dem Kayak über 50 km auf der Magellanstraße auf die letzte große Patagonische Insel vor dem Kap Horn. Für mich war es das erste Mal ernsthaft ein Paddel in der Hand zu halten und 6h bei z.T. sehr hohen Wellen über den Ozean zu paddeln. Mir ging dabei der Saft in den Armen schon aus, zumal in einem Arm wohl irgen eine Sehne sehr schmerze . Vielen Dank Thoralf, das wir so gut angekommen sind.

Die finale Trekkingetappe. Melli's Ausraster und Marc's Goldgriff. Nach dem Kayak erwartete uns noch eine Trekkingetappe, die direkt ins Ziel führte. wir hatten wie so oft die Chance uns einmal mehr einem anderen Team anzuschließen. Zuerst bahnten uns die Spanier den weg für ca. 5 min. Diese wählten dann eine andere Route durch das Gestrüpp. Auch das Schweizer Team bot sich an. Letzte Chance boten uns die Finnen, an die wir uns versuchten dran zu hängen. Ich versuchtee im Vorstieg lang den Kontakt zu halten. Als das nicht mehr möglich war, weil 2 Jungs viel zu weit hinter her hingen, riss mir die Nervenleitung und die beiden mussten sich einiges anhören. Sorry Jungs- aber ich wollte nicht noch eine Nacht im Gestrüpp umher irren. Als die Finnen außer Sicht waren, griff Marc in die Goldkiste und fand eine perfekte Route direkt ins Ziel. Dieses erreichten wir nach 145 h. Völlig erschöpft und überglücklich haben wir das härtste Rennen auf den 3. Platz beendet.

Vielen Dank Marc und dem gesamten Team.

Eure Melli